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Kilueka/Bas Congo 2014

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 Westkongo – Kilueka                Im August 2014

 

Was gibt’s Neues von den LHL-Projekten im Westen des Kongos zu berichten?

 

Der Projektleiter vor Ort ist der Biologe Augustin Konda. Er wuchs im Dorf Kilueka im Bas-Congo auf und kennt die lokale Sprache und die Mentalität der Menschen. Er lebt mit seiner Familie in Kinshasa und arbeitet dort als Forscher für angewandte Ethnopharmakologie: Das Wissen über die Tradition, die Aufwertung der medizinischen und essbaren Pflanzen, das Verbessern der traditionellen Medizin usw. Regelmässig fährt er in das 150 km entfernte Heimatdorf um die Projekte vor Ort zu organisieren und zu begleiten.
Projektleiter Augustin Konda     

Zuerst wurde der Verein „Songa nzila (d.h. „den Weg zeigen“) gegründet, der auch Nutzniesser der Projekte ist. In diesem Verein sind überwiegend Frauen aus verschiedenen Dörfern, die sich für die Verbesserung der Lebenssituation vor Ort einsetzen. Sie beackern ihr Gemeinschaftsfeld und werden in ihrem Dorfgemeinschaftshaus regelmäßig weitergebildet. Aktuelle Themen sind: Hygiene, sauberes Wasser, Gesundheitsvorsorge, Ernährung, Heilpflanzen, Umweltschutz, etc. Als Multiplikatorinnen verbreiten sie ihre neuen Erfahrungen in ihren Dörfern. Auf diesem Weg erreichen sie bis jetzt ca. 5'000 Menschen.

Das Dorfgemeinschaftshaus in Kilueka ist fertig gebaut und eingerichtet und wird viel genutzt: Ein Saal für Fortbildungen, ein Raum zum Aufbewahren der Lebensmittel und anderen wichtigen Dingen und drei Räume zum Übernachten und als Bureau.

Das Rinderprojekt bereitete uns leider mehr Schwierigkeiten als erwartet. Zuerst erkrankten beide Rinder an Krätze. Weil sie danach nicht mehr gleich groß waren und somit nicht mehr unter das Joch gepasst hätten, mussten wir sie gegen zwei neue junge Rinder tauschen. Diesen beiden inzwischen ausgewachsenen Ochsen geht es gut und sie werden nun vorsorglich regelmäßig von einem Tierarzt untersucht. In der Gegend von Kilueka war die Arbeit mit Tieren noch völlig unbekannt und es ist nicht einfach etwas Neues einzuführen. Der Ausbilder kam von weither und hat gute Arbeit geleistet. Leider erkrankte er schwer und kann nicht mehr nach Kilueka reisen. Wir haben einen Nachfolger gefunden, der sich nun um dieses Projekt kümmert. Bis heute wird hier fast alles auf dem Kopf transportiert. Oft werden so über 40 kg mehr als 15 km weit getragen! Inzwischen sind die Ochsen ausgebildet und der Karren gebaut – endlich!


Mit dem Ochsenkarren...

Für das Ziegeleiprojekt wurden vom Bundesministerium für internationale Zusammenarbeit (BMZ) Zuschüsse bewilligt. So konnte eine mobile Ziegelpresse aus Belgien nach Kilueka gebracht und in Betrieb genommen werden. Gleichzeitig nahmen zwei Männer aus Kilueka an einer Fortbildung im Ostkongo teil. Unter ihrer Leitung arbeiteten 16 Männer in zwei Schichten. Sie haben eine Kooperative gegründet und können nun eigenständig mit dieser Ziegelpresse arbeiten und verschiedene Arten von Ziegeln herstellen. Die Qualität der Ziegel ist viel besser und die Größe ist einheitlich. Allerdings wird z.Z. nur in einer Schicht gearbeitet, weil die Ziegel kaum verkauft werden können. Das Problem ist der Transport auf den schlechten Lehmpisten! So verbauen wir die Ziegel halt erst einmal selbst und bauten so eine Imkerei und ein jetzt ein weiteres Gebäude für eine Schneiderei und einen Shop.

Bienen schützen die Wälder! In Kinshasa (10 Mio. Einw.) ist der Strom bis heute Mangelware, aber der Energiebedarf enorm! So wird noch immer überwiegend mit Holz oder Holzkohle gekocht. Obwohl der Regenwald schon fast verschwunden ist, wird der Bas-Congo immer weiter abgeholzt und die Holzkohle nach Kinshasa gebracht. A. Konda hat viele Menschen davon überzeugt, ihre Bäume nicht mehr zu fällen und als Brennholz zu verkaufen. Denn so bekommen sie nur einmal etwas Geld und ein neuer Baum wächst nur langsam nach. Außerdem finden in den Dörfern die Frauen kaum noch Holz, um für ihre Familien zu kochen. Wenn die Menschen vor Ort Bäume pflanzen und Bienenstöcke in ihre Wälder stellen, dann können sie jedes Jahr Honig ernten und einen Teil davon verkaufen. So bekommen sie immer wieder etwas Geld und schützen sogar noch ihre Wälder! Für die Imkerei haben wir einige Dinge, die im Kongo nicht erhältlich sind, in Paris gekauft und dort einem Container zugeladen. Inzwischen ist alles im Kongo gut angekommen. Zur Zeit wird die aktuelle Honigernte in der neuen Imkerei in Kilueka verarbeitet.

 Das Wasserprojekt mit Aqua creactive und Augustin Konda als Projektleiter ist jetzt beendet. Hierfür wurden Zuschüsse von der  Bingo-Umwelt-Stiftung in Hannover bewilligt! Außerdem hat sich LHL e.V. hierbei mit jährlich 1000 Euro beteiligt. Zuständig für das gesamte Wasserprojekt ist aber Aqua creactive e.V.

Durchfallerkrankungen durch verschmutztes Wasser sind stark verbreitet und ein großes Problem für die Bevölkerung. Bei diesem Projekt wurde zuerst das Wasser untersucht, dann die Quellen sauber eingefasst. Durch die Anlage einer dichten Vegetation mit Bäumen in einem Umkreis von 30 Metern wird der Quellbereich vor Verunreinigung, vor allem bei Starkregen, dauerhaft geschützt. Jetzt sind 22 Quellen sauber eingefasst und funktionieren, die Vegetation drumherum wächst noch.

sauber eingefasste Quelle, Vegetation wächst noch         

Gleichzeitig wurden zuerst die Dorfchefs aus 30 Dörfern und dann die Bevölkerung über die Problematik des verschmutzten Wassers, über Hygiene, Mangelernährung usw. aufgeklärt. Immer wieder laufen sechs Lehrerinnen aus dem Verein “Songa nzila” in diese Dörfer, erklären die nächsten Schritte des Projektes und begleiten so die Menschen und das gesamte Projekt vor Ort über viele Monate.

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Durch das Verschwinden des  Regenwaldes ist ein großer Teil des Bas-Congos eine Savanne geworden. Mit dem Wald verschwinden nicht nur die Bäume und damit auch die Obstbäume und Ölpalmen, sondern auch die Pilze, die proteinreichen Raupen und sogar die Fische!  Die Ernährung der Menschen wird immer einseitiger, die Probleme immer vielfältiger und die Armut immer grösser!

Vor allem Kinder und Schwangere leiden unter der verbreiteten Mangelernährung. Die Einführung des Moringabaumes kann hierbei helfen, denn dieser ursprünglich aus Indien stammende Baum ist vielseitig nutzbar! Die Blätter enthalten u.a. Vitamine, Mineralien und sogar Eiweiß. Diese Blätter können getrocknet oder gekocht den lokalen Gerichten beigemischt werden. Lecker!

 In diesem Projekt wurde auch ein Geländewagen finanziert, der die gesamte Projektarbeit ungemein erleichtert! Wir wüssten nicht, wie die Arbeit und der Transport vieler Dinge sonst möglich wären! Wir haben in Kilueka und auch in Kinshasa jeweils eine Garage gebaut, damit der Geländewagen sicher abgestellt werden kann. Ein zuverlässiger Chauffeur kümmert sich um alles, was das Auto betrifft.

Der neue Geländewagen leistet gute Dienste, auch in der Regenzeit!

Im Dezember 2012 war ich wieder in Kilueka und konnte die Fortschritte sehen. Ich bin u.a. auch mit den Lehrerinnen von Dorf zu Dorf gefahren bzw. gelaufen. Es war Regenzeit und wir waren oft durch den Regen total blockiert! Die Lehmpisten sind dann so aufgeweicht und glitschig, dass man nur sehr sehr mühselig oder gar nicht vorankommt. Hier im Westkongo braucht man einfach für alles viel mehr Zeit und noch viel mehr Geduld. Aber die Menschen sind über jede Hilfe und jeden kleinen Fortschritt sehr dankbar!

Aqua creactive hat im letzten Jahr sogar einen Container in den Kongo verschifft. Das war alles ganz schön kompliziert und mit viel Bürokratie verbunden. Nach langen Verhandlungen hin und her ist der Container gut angekommen. Der Inhalt musste aber erst in Kinshasa zwischengelagert werden, damit er nach und nach ins Dorf Kilueka gebracht werden kann. Das Dorfgemeinschaftshaus diente erst als Lagerraum, bis dann alles sicher verteilt und installiert werden konnte. Normalerweise versuchen wir möglichst alles im  Kongo zu kaufen. Leider ist das nicht immer möglich oder die Qualität ist zu schlecht, dann sammeln oder kaufen wir die Dinge hier in Europa und schicken sie in den Kongo.

 Aktuell planen wir den Bau einer kleinen Gesundheitsstation in Lemfu, im Nachbardorf von Kilueka. Lemfu hat etwa 10'000 Einwohner. Hier gibt es nur eine kleine gute Gesundheitsstation von der katholischen Kirche - und das für 10'000 Personen und zusätzlich noch die Einwohner der umliegenden Dörfer! Unvorstellbar! Deshalb überlegen wir nun, wie wir eine zusätzliche einfache, aber gute Gesundheitsstation errichten können. Im September fliege ich wieder in den Kongo um dort mit Augustin Konda vor Ort alle Projekte zu besuchen und zu besprechen.

Dies sind die neusten Informationen zu den Projekten von LHL e.V. und Aqua creactive e.V.! Wir alle, die Dorfchefs aus den 30 Dörfern, die sechs Lehrerinnen und die anderen Mitglieder von “Songa Nzila e.V.”, die Ziegeleiarbeiter, Augustin Konda und ich, wir alle möchten uns ganz herzlich für die treue und vielfältige Unterstützung bedanken!

Mit vielen Grüßen von uns allen

Irène Freimark-Zeuch  (Lippetal)