Das Ziegeleiprojekt

Warum dieses Projekt?

Der Kongo befindet sich nach mehreren Rohstoff- und Plünderungskriegen im Wiederaufbau. Einerseits belebt dies die Bautätigkeit, weil viel Nachholbedarf ist.

           Andererseits sind die Menschen in den ländlichen Regionen äußerst verarmt und leben in der Regel von weniger als 1 Dollar pro Tag, also unter dem Existenzminium. Im Deutschen Bundestag fand am 24.Februar 2011 in der 93. Sitzung eine Aussprache über den Kongo statt, in welcher der Abgeordnete Harmut Fischer einen Antrag der Franktionen von CDU und FDP vorstellte und dabei die allgemeine Situation im Kongo skizzierte.

In dem Antrag wird zum Punkt „Armut“ folgendes festgestellt, was hier nur unterstrichen werden kann:

Trotz des enormen Reichtums an natürlichen Ressourcen hält die katastrophale soziale und humanitäre Lage im Land weiter an. Betroffen sind urbane Zentren und ländliche Gebiete in gleichem Maße. Das Einkommensniveau ist völlig unzureichend, die physische und soziale Infrastruktur ist in einem katastrophalen Zustand, die Versorgung mit öffentlichen Gütern auf ein Minimum reduziert. So haben nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung Zugang zu sauberem Wasser. Ähnlich dramatisch gestaltet sich die Lage bei anderen elementaren Grundbedürfnissen wie Elektrizität, Bildung und ärztlicher Versorgung. Diese werden zudem häufig von nationalen und internationalen Organisationen, nicht jedoch vom kongolesischen Staat zur Verfügung gestellt. Die Sozialindikatoren zählen zu den schlechtesten weltweit. Mit sozialen Unruhen muss infolge der Verarmung der Bevölkerung gerechnet werden. Lehrer, Ärzte, Richter, Polizisten und Soldaten – der gesamte öffentliche Sektor wird nur unregelmäßig und überdies sehr schlecht bezahlt. Streiks der öffentlichen Institutionen sind an der Tagesordnung. Neben Willkür und allgegenwärtiger Korruption verstärkt ein ostentativer, „neo-mobutistischer“ Lebensstil der herrschenden Elite die Frustration der Bevölkerung, die unter steigenden Lebensmittelpreisen, hohen Mieten und Schulgebühren leidet. Darüber können auch wenige, große Prestigeobjekte in der Hauptstadt nicht hinwegtäuschen.

In der Provinz Südkivu im Ostkongo hat die deutsche Hilfsorganisation Malteser International herausgefunden, daß die ländliche Bevölkerung im Rahmen der Subsistenzwirtschaft mit weniger als 0,10 Cent pro Tag auskommen muß und somit zu der ärmsten Bevölkerung in der ganzen Welt gehört. Auf der Armutskala der Welthungerhilfe für 2010 steht der Kongo schon zum zweitenmal an letzter Stelle.

In bezug auf unser Vorhaben muß festgestellt werden, daß die Bevölkerung in weiten Teilen des Landes für Baumaterialien wenig Geld hat. Die traditionelle Bauweise ist somit Holz, Stroh und Lehm. Diese Materialien stellen Wald und Flur bereit, haben jedoch eine sehr begrenzte Lebensdauer. Damit wird aber leider in den bevölkerungsreichen Zentren des Westens (Hauptstadt) und des Ostens (Kivuprovinzen) sehr dazu beigetragen, daß in den dort in der Nähe verbliebenen Wäldern Raubbau betrieben wird.

Auch Dachziegel sind heute weitgehend unbekannt. Allenfalls in größeren Städten des Kongos leisten sich reiche Leute Dachziegel chinesischer Herkunft. In vielen Gebieten sind letzten lokal hergestellten Dachziegel während der Kolonialzeit produziert. Im östlichen Grenzland wird etwas häufiger importiertes und dadurch teures Wellblech auf die Dächer gelegt, in den Projektgebieten von Burhinyi, Mushenyi, Kilueka und Lubefu dominieren die Strohdächer.

Zwar gehört zum Wiederaufbau des Kongos nach langer Kriegs- und Mißwirtschafts­zeit auch eine wachsende Bautätigkeit (vor allem Händler investieren in Immobilien), die jedoch außerhalb der großen Städte mit einfachsten Mitteln durchgeführt wird.


Ziegelsteine werden per Hand geformt und durch die Sonne getrocknet, wodurch nur eine sehr begrenzte Haltbarkeit erreicht wird. Derartig errichtete Behausungen erleiden schon nach wenigen Jahren, besonders während der Regenzeit, erhebliche Schäden. Öfters findet sich eine Ziegelherstellung mit kohlenmeilerähnlichen Ziegelsteinbrennereien. Diese benötigen große Holzmengen in Regionen, welche bereits Holzmangelgebiete sind. Zudem sind diese Ziegelsteine unregelmäßig geformt und zerbrechlich. Die bisherige traditionelle Herstellung der Baumaterialien ist relativ teuer. In den ländlichen Regionen des Kongos sind dagegen keine qualifizierten Materialien günstig erhältlich. Diesen Zustand wollen wir in den Projektgebieten ändern und aus diesem Grunde soll unsere Vorhaben in besonderer Weise den ländlichen Raum fördern. (Ausnahme: Nyangezi im Einzugsgebiet von Bukavu)

Das Projekt hat fünf Standorte in drei verschiedenen Provinzen:

  1. Kilueka im Unteren Kongo (Bas Congo). Der Ort liegt ganz im Westen des Landes, nicht weit vom Atlantischen Ozean entfernt. Die Gruppe Songa Nzila produziert bereits bisher Ziegelsteine, aber mit dem holzintensiven und teuren Verfahren der Meiler-Brennöfen. Die Ziegelpressen sollen diese ablösen und somit eine umweltfreundlichere und kostengünstigere Herstellung gewährleisten. Der Untere Kongo ist wird mehr und mehr abgeholzt. Die Restwälder werden durch den Brennholzbedarf der Hauptstadt Kinshasa dezimiert.                                                                                                    Hier klicken für Bilder aus dem Ziegeleiprojekt in Kilueka

  2. Lubefu in der Provinz Kasaï (Zentralkongo). Der Ort liegt etwa 150 km nordöstlich der Provinzhauptstadt Mbuji-Mayi und 200 km südwestlich der Provinzhauptstadt Kindu in einem Regenwaldgebiet der Provinz Kasaï-Orientale. Der Ort ist vor ungefähr 100 Jahren aus einer katholischen Mission entstanden. Auch wenn hier vorläufig noch ausreichend Brennholz zur Verfügung steht, sollen auch hier alternative Techniken als Bindemittel zum Einsatz gelangen. Die Partnerorganisation in Lubefu ist bereits genossenschaftlich organisiert. Die Ziegelpressen sollen u.a. helfen, viele Bauten der Kolonialzeit, welche im Verfall begriffen sind, zu restaurieren und zu erneuern.

  3. Weiterer Standort ist die Grafschaft Burhinyi, ca. 100 km südwestlich der Provinzhauptstadt Bukavu (Südkivu) im Ostkongo. Die Region gehört zu den ärmsten im gesamten Kongo. Die Menschen leben bisher fast ausschließlich von der Subsistenzwirtschaft. Viele Menschen haben nicht genug zu essen. Während des Krieges war Burhinyi mehrfach Durchzugsgebiet verschiedener Milizen und die gesamte Bevölkerung mußte fliehen. Auch in Burhinyi werden bisher Ziegelsteine hier und da mit der holzintensiven Brennofen-Methode hergestellt oder meistens in der Sonne getrocknet.

Unsere Partner haben mit BMZ-Unterstützung schon eine Aufforstung erfolgreich durchgeführt, außerdem werden seit mehreren Jahren ehemalige Kindersoldaten zu Schreinern und Lederwarenherstellern ausgebildet. Aus diesen Projekten ist der Gedanke entstanden, für ehemalige Kindersoldaten das Projekt der Ziegelei zu gründen. Da Burhinyi bisher noch keine Genossenschaft kennt, soll als Träger eine solche als Träger gegründet werden, die allerdings über die Ziegelei hinaus auch weitere Aufgaben im landwirtschaftlichen Bereich wahrnehmen sollte. Die Mitglieder werden entscheiden, ob die Einnahmen der Ziegelei reinvestiert, als Dividende ausgeschüttet werden oder den Mitgliedern vergünstigte Bezugsmöglichkeiten gewähren.

  1. Die Chefferie Mushenyi. Mushenyi liegt in der Nachbarschaft der Grafschaft Kaziba in der Provinz Südkivu und gehört ebenfalls zu den ärmsten Regionen des Kongos. In Mushenyi fördert LHL derzeit über die Partnerorganisation CDEP mit BMZ-Mitteln Aufforstung und außerdem wird ein weiteres kleines Projekt unterstützt: ein Waldkindergarten für Kinder und Jugendliche. Darüberhinaus wurden kleinere Projekte für ehemalige Kindersoldaten gefördert: Schreinerei und Bäckerei. Ende 2009 wurde in diesem Zusammenhang ein holzsparender Lorena-Backofen in Mushenyi installiert. Unsere Partner in Mushenyi haben bereits bisher Ziegel für den Eigenbedarf hergestellt mit der holzintensiven Brennofen-Methode. Mushenyi liegt an der Durchgangsstraße in den Westen des Landes. Nahe dieser Straße soll auch die Ziegelei betrieben werden. CDEP wird auch hier eine Genossenschaft gründen, die über den Betrieb der Ziegelei hinaus weitere landwirtschaftliche Aufgaben wahrnehmen soll.

  2. Nyangezi: Dies ist der ländliche Raum südlich der Provinzhauptstadt Bukavu, an den Straßen nach Uviria und Kaziba im Südkivu. In diesem intensiv landwirtschaftlich genutzten Bereich existieren bereits jetzt Ziegeleien, die jedoch allesamt nach der traditionellen Methode mit Brennmeilern arbeiten und auch keine Dachziegel oder Bodenplatten herstellen können.                 Der Bedarf, insbesondere für die relativ nahe Millionenstadt Bukavu, ist enorm, sodaß eine verbesserte Herstellungsmethode für Ziegelsteine und zudem Dachziegel und Bodenplatten sehr hilfreich sind. Die Ziegelei soll in eine Stiftung eingebracht werden aus deren Einnahmen eine Straßenkinderschule in Bukavu mitfinanziert werden soll. Sowohl diese Schule als auch weitere Aktivitäten sollen in diese Stiftung mit eingebracht werden.


Das Projekt soll insgesamt wesentlich verbessertes, dauerhaftes Baumaterial zur Verfügung stellen. Außerdem sollen vor allem für Jugendliche, im Osten sind das ehemalige Kindersoldaten, Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Gründung der Ziegeleien soll bewirken, daß im Umfeld jeweils zahlreiche weitere Arbeitsstellen entstehen, im Bereich des Transports, des Handels, beim Bau und bei Zimmerleuten bzw. Dachdeckern.

Die Ziegelsteinpressen stellen für die bisherige Ziegelsteinproduktion in Burhinyi, Mushenyi und Kilueka eine entscheidende technische Innovation dar. Die derzeitige Qualität und Haltbarkeit ist nicht vergleichbar mit den zu erwartenden Produkten aus den anzuschaffenden Ziegelpressen, hinzukommt die innovative Dachziegel- und Bodenplattenproduktion.

  
       Der erste Tag der Ziegelsteinproduktion in Mushenyi

Erste Erfahrungen mit den neuen Ziegelsteinen im Kongo: Kongotagebuch vom 29. Januar 2012 lesen!

Die ersten Erfahrungen in Mushenyi ebenda, unter dem 31. Januar.


Die Ziegelpresse war in Mushenyi DIE Sensation Anfang Februar!


Und hier wird eifrig geübt in Mushenyi, im Hintergrund der Lagerraum. Nachts läuft ein Wächter rum...


Hier folgen Photos von den ersten Tagen der Ziegelpresse in Nyangezi:


Ein Bericht findet sich ebenfalls auf dem Jugendserver, unter dem 4. Februar


Und hier beginnt die Trocknung und Lagerung in Nyangezi. Auch hier ist
nachts ein Wächter unterwegs.



In Burhinyi wurde etwas stabiler gebaut und hier hatte man Anfang Februar schon mehr produziert. Hier hatte der Kurs mit dem belgischen Ausbilder stattgefunden.


Ein weiteres Ziegeleiprojekt findet sich in Kilueka (Bas-Congo). Klicken Sie hier, um einen Bericht anzuschauen.