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Projekt 2013: Fachausbildung


Herbst 2013:

Einführung von "Forstmanagement" im Süd-Kivu mit LHL



1. Heinz Rothenpieler im LHL-Weihnachts-Rundbrief 2013

November 2013

Neues Forstprojekt im Ostkongo

 Diese Geschichte hat im Kongo tiefen Eindruck hinterlassen: Vor zwei- oder dreihundert Jahren war Deutschland fast entwaldet – und dann hat es eine Kampagne zum Bäume- pflanzen gegeben, und heute haben wir ganz viele Wälder. Heinz Rothenpieler und der Tropenforstwirt Philipp Jülke waren im Oktober und November im Ostkongo, wo fast sämtliche Berge (bis 3.000 Meter hoch) inzwischen entwaldet sind und wir ein neues Aufforstungsprojekt beginnen konnten. Und die Menschen schöpften Hoffnung aus der Geschichte Deutschlands. Ja, auch die entwaldeten Flächen Afrikas können wieder bepflanzt werden. Jetzt aber mit dem „Sekun­därwald“ - und der braucht forstwirtschaftliche Betreuung. Und genau das ist Sinn und Zweck des neuen Projektes von LHL, das vom BMZ gefördert wird. Die gesamte Kivu-Provinz im Ostkongo kennt keine Forstverwaltung. Der LHL-Förster Philipp Jülke hat mit einer fachlichen Ausbildung der Partner begonnen – das muss in Zukunft fortgesetzt werden.


Und Heinz Rothenpieler hat sich um die Volksversammlungen gekümmert und geführt – wie hier auf dem Foto in Businga im Ruzizital, auf dessen anderer Seite schon Ruanda ist. Denn ohne tatkräftige freiwillige Mithilfe der Bevölkerung lässt sich keine Aufforstung bewältigen. Sie geschieht im Rahmen der „Salongo-Arbeit“ und ist dadurch eine „lokale Eigenbeteiligung“ - denn diese macht Projekte in dieser Größenordnung erst möglich...     



2. Einige Eindrücke von der Projektreise im Oktober/November 2013 in den Süd-Kivu (Ostkongo)


Wie wird Forstverwaltung „entwickelt“?

Schon im Sommer hatte unser neues Forstprojekt begonnen, noch bevor wir die Bewilligung des Entwicklungsministeriums für einen Zuschuss hatten. Mit dem „vorläufigen Massnahmebeginn“ konnten wir in der Trockenzeit schon die Baumschulen anlegen. Fünf Partnerorganisationen, fünf Baumschulen.


Im Oktober reisten dann der Tropenförster Philipp Jülke und Heinz Rothenpieler in den Süd-Kivu, um das Projekt auch „offiziell“ beginnen zu lassen. Philipp absolvierte ein sehr intensives Ausbildungsprogramm für die Partnerorganisationen in Sachen Forstmanagement.

"Einführung in das Forstmanagement" - hier mit den Projektleitern und den Agronomen.

Teilnehmer waren u.a. Innocent Balagizi, Shekur aus Burhinyi, Bagalwa aus Luhwinja (Mitte von links nach rechts), Antonius aus Uvira (mit Hut)

Und natürlich die Kinder - immer dabei. Im Kongo können Erwachsene (fast) nichts machen ohne kindliche Neugier und wenn dann auch noch Muzungus (weiße Männer) dabei sind - das ist ja sensationell!

Die einzige Frau im Team, Diana aus Nyangezi, ist eine hochqualifizierte Agronomin und wird OCEK beim Bildungsprogramm unterstützen, neben ihrer Projektleitung im Bisunga-Gebiet.

Tja, bald ist Feierabend und Primus-Bier lockt. Da kann man wieder lachen!

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Heinz Rothenpieler kümmerte sich um die Bevölkerung, deren Mithilfe nötig ist und für welche ein umfangreiches Bildungsprogramm geplant ist, eine Art "Landvolkshochschule".
Mit jeder der Partnerorganisationen wurde jeweils eine Volksversammlung organisiert, außerdem mußten die lokalen Honoratioren besucht werden, um ihren „Segen“ für das Projekt zu holen. Der offizielle Titel des Projekts lautet „Aufforstung und Bildungsmaßnahmen für Forstmanagement im Ostkongo“.


Celestin erklärt den Menschen von Mushenyi bei der Volksversammlung das Programm des Forstprojekts.

Viele aufmerksame Zuhörerinnen und Zuhörer. Der Saal war zu klein gewesen, so sitzen wir unter den Bäumen im Freien.

Und auch hier wollen die Kinder alles genau wissen, was die Erwachsenen da verhandeln... 


Die Volksversammlung von Mushenyi fand oben neben den Gebäuden der Partnerorganisation statt, im Schatten dieser Bäume auf einer Wiese. Dies war die erste "agroforstwirtschaftliche Maßnahme" unserer Partner vor vielleicht sechs oder sieben Jahren, diese Bäume zu pflanzen. Darunter sind Gemüsegärten und (ganz vorne) eine Baumschule. 



In wenigen Worten gesagt hat das Projekt folgende Ziele:

"Erweiterung der Subsistenzwirtschaft durch nachhaltige Waldbewirtschaftung in einer Landschaft, die heute entwaldet ist, vor wenigen Jahrzehnten aber noch Primärwald hatte. Deshalb ist Forstwirtschaft unbekannt."


Genau so soll künftig Abholzung NICHT aussehen - flächendeckend, weil dies in den Tropen der Erosion Tür und Tor öffnet und alles mühsam wieder neu aufgeforstet werden muss. Wir wollen selektiv schlagen und gleichzeitig entweder neu pflanzen oder den Naturwald nachwachsen lassen.

Auch diese drei Bäume waren bei unserer Rückfahrt schon abgeholzt worden. Der Besitzer des Waldstücks kann zwar einmalig einen guten Batzen Geld verdienen, wenn er das Holz nach Bukavu, in die Provinzhauptstadt, verkauft, muss dann aber viel Zeit und Geld investieren, um neu zu pflanzen und kann dann 15-20 Jahre warten, bis er wieder eine solche Einnahme hat. "Selektiv schlagen" bedeutet, er kann jedes Jahr eine bestimmte Anzahl ausgewählter Bäume so schlagen, dass der Wald als solcher erhalten bleibt und sich möglicherweise auch selbst wieder erneuern kann. Dadurch entstehen kontinuierliche Einnahmen...

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"Durch das Projekt soll Walderhalt durch Forstwirtschaft theoretisch und praktisch eingeübt werden, außerdem soll Agroforstwirtschaft weitere Einkommensmöglichkeiten schaffen. Vermittelt werden sollen Forstwirtschaft und dauerhafte Nutzungskompetenzen durch die Bevölkerung zur Erhaltung des Waldes. Abholzung geschieht künftig kontrolliert und verwaltet und zerstört nicht mehr die Wälder. Jugendliche, Frauen und Männer werden Kenntnisse in Forstmanagement, Agroforstwirtschaft, Gartenbau und Waldnutzung erworben haben (Früchte, Heilkräuter, Honig)"


Eine Pinus-Wald in Burhinyi, der in den nächsten Jahren diversifiziert werden muss, d.h. auf dem vormals steinigen Böden müssen weitere Arten angepflanzt werden.

"Die bisherigen Aufforstungen benötigen eine Diversifizierung. Mindestens 750 ha sollen in den nächsten vier Jahren aufgeforstet mind. 500 ha schon existierender Forst „umgebaut“ werden, d.h. Anpflanzung weiterer Arten. Geplant sind umfangreiche Bildungsmaßnahmen für Mitarbeiter, Bauern, Frauen und Jugendliche. Wir nennen dies „Landvolkshochschule“ (l'université populaire rural) Ein Transfer von Kenntnissen zum Forstmanagement ist nötig. Die Bevölkerung und die Viehzüchter (zur Vorbeugung von Konflikten) sollen u.a. über Komitees eingebunden werden."


Normalerweise sauber getrennt: Hinten Wald, dazwischen Wiese fürs Vieh, vorne der Acker mit dem Maniok. "Silvopastoral" und "Agroforstwirtschaft" durchmischen dies...

Was wir hier sehen, ist im Ostkongo äußerst selten: "Silvopastoral" nennt sich dies mit forstwirtschaftlichem Fachwort. Silvopastoral ist für Viehzüchter das, was Agroforstwirtschaft für die Bauern ist. Die Bäume werden so locker angepflanzt, dass die Wiesen erhalten bleiben und das Vieh zwischendrin weiden kann. In früheren Jahren hatten unsere Partner immer wieder Konflikte mit den Viehzüchtern, deren Hirten die Kuh- oder Ziegenherden gerne auch in die frisch bepflanzten Flächen trieben - und solche ganz jungen Setzlinge schmecken denen herrlich! Bei den Volksversammlungen waren jeweils auch Viehzüchter dabei und als wir denen das Konzept von "Silvopastoral" vorstellten waren wir völlig überrascht von ihrer Begeisterung. Sie sprangen auf, klatschten und jubelten. Das Konzept wollten sie umsetzen! Dadurch könnten sie später sogar noch Holz verkaufen und hätten trotzdem Weideflächen für das Vieh. So bekamen wir die Viehzüchter viel schneller als wir dachten mit "ins Boot". 


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von links: Antonius, Philipp, Criss, der Agronom von GEAPD, Diana, Anatole vor dem Projektschild in Businga, hoch über dem Ruzizi-Tal. Die Partner nennen das Projekt "Mini-Aufforstung" - weil sie mit kleinen Maßnahmen begonnen hatten. Die Fläche ist exzellent, denn dort stand vor 20 Jahren noch Naturwald und viele Pflanzen sind noch in der Erde, man muss sie nur wachsen lassen und hier und da etwas dazu pflanzen. Hier kamen 1994 Tausende von Hutus aus Ruanda als Flüchtlinge und haben den gesamten Wald in kurzer Zeit zum Kochen verfeuert. Jetzt will die Regierung wieder aufforsten und unsere Partnerorganisation hat etwa 200 ha (von 2.000) dafür langfristig pachten können



Und das ist Kamina, oberhalb des Städtchens Nyangezi. Unsere Partner haben vor ungefähr drei Jahren mit der Aufforstung begonnen, verschiedene Baumarten gepflanzt - und siehe da, viele weitere einheimische Baumarten kommen ganz von selbst dazwischen. So wird dort in einigen Jahren ein schöner Mischwald stehen. Leider haben sämtliche Nachbarn mit Eukalyptus aufgeforstet, der dafür sorgt, dass keine Konkurrenz entsteht!



Das ist also ein einheimischer Baum der in der heissen Sonne schon wunderbar Schatten spendet.

Und das sind einige Arten, die ganz von selbst wieder kommen und so die Forstflächen durchmischen werden.




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Begeisterung bei den Honoratioren von Kaziba

Ein "Honoratorenbesuch" war besonders intensiv: Mme. Chef de Chefferie von Kaziba war so interessiert an unserem Programm, dass sie gleich am zweiten Tag selbst vorbeikam, um uns kennenzulernen. Sie hat uns dann in ihre Chefferie eingeladen - zu einem ganz bestimmten Termin. Und das hatte einen besonderen Grund, denn da waren in ihrem Ratssaal über 100 Persönlichkeiten versammelt, um mit Vertretern der UNDP (UNO-Entwicklungsorganisation, Büro Goma) über "Visionen für Kaziba 2014-2018" zu diskutieren und Mme. Chef de Chefferie gab uns die Möglichkeit, das Forstmanagementprojekt vorzustellen. In Kaziba wirken gleich zwei Partnerorganisationen hier mit. Und wir bekamen ganz viel Beifall!

Am nächsten Tag kam die Dame, die selbst Agronomin ist und zur Mwamifamilie gehört, nochmal bei uns vorbei und hatte etwas mehr Zeit mitgebracht. Sie wollte genau wissen, wie unser Konzept aussieht und möchte dies in Kaziba, wo viele Bauern schon kleine Wäldchen gepflanzt haben, tatkräftig unterstützen.

Und dann hat sie uns nochmal zu einer Veranstaltung eingeladen, die am letzten Tag in Kaziba ganz um die Ecke von unserem Tagungshaus stattfand. Hier ein Foto aus einem Filmclip herausgeschnitten.


Sie präsidiert nicht nur die Stadtverwaltung, sondern auch einen Frauenverein. Und an diesem Vormittag wurde die Herstellung von Sojamilch gezeigt. Mme. Chef de Chefferie sprach ganz engagiert zu den Frauen, damit diese Sojamilich verstärkt hergestellt wird, eine Waffe gegen Unterernährung!

Und zum Abschluss noch eine kleine Alltagsszene...



Eine Begegnung am Rande, die wir uns doch mal etwas näher anschauen müssen... Jawohl, der Bauer trägt seine Tasche auf dem Kopf!




Na, das ist aber eine Sauerei!