Regenwald Kongo > Süd-Kivu > Projekt 2013: Forstwirtschaft

Projekt 2013: Forstwirtschaft

Aufforstung und Bildungsmaßnahmen für "Forstmanagement" im Ostkongo

Ein Projekt gefördert vom deutschen Entwicklungshilfeministerium (BMZ)

Wir danken außerdem Prima Klima - weltweit - für forstfachliche Beratung, ohne welche dieses Projekt nicht möglich gewesen wäre und für zahlreiche Spenden zur Unterstützung.

Hier folgen einige Impressionen vom ersten Zwischenbericht


Karibu allerseits! Yambo sana!

Wir dachten, wir nehmen Sie einfach mal mit in unseren Projektalltag. Unsere fünf Partnerorganisationen im Projektgebiet von Nyangezi bis Burhinyi arbeiten in den Gebieten Nyangezi, Kaziba und nördliches Mwenga (siehe Karte) in der Provinz Süd-Kivu, ungefähr 60-100 km südwestlich der Provinzhauptstadt Bukavu am Kivusee.

Dort haben die Partner mit Unterstützung aus Deutschland schon teilweise vor über 10 Jahren mit Aufforstungen begonnen, denn ein großer Teil der Landschaft ist abgeholzt und jetzt kahl.


Fotos: Neue Aufforstungsflächen in Burhinyi

Foto: Neue Aufforstungsfläche in Luhwinja. Im Vordergrund: Erosionsschäden

Und dann stellten wir fest: Die Aufforstungen müssen fachgerecht verwaltet werden. Forstfachliches Wissen jedoch fehlte vollständig. Mit diesem Projekt soll sich dies ändern. Jetzt ist das erste Dreivierteljahr rum und wir nehmen Sie einfach mal mit auf unsere Bilderreise in den Ostkongo. 

Das Projekt wird vom deutschen Entwicklungshilfeministerium (BMZ) gefördert und dort wurde auch etwas gefordert, nämlich sogenannte „Indikatoren“, mit denen sich später, im Projektverlauf, ein „Projektfortschritt“ leichter feststellen läßt oder besser gesagt: Man kann damit draufschaun, was denn schon von den Projektzielen erreicht ist und was nicht. So wandern wir jetzt ein wenig durch unser Projektgebiet und schaun uns mal ein bißchen um. Was wurde da schon getan?

Bitte bedenken Sie allerdings, dass dieses Projekt erst begonnen und noch eine Laufzeit bis 2017 hat. Deshalb steht alles am Anfang und doch wurde schon Beachtliches geleistet....



Das erste Unterziel lautet: „Verbesserter Erosionsschutz und neue Holzquellen im Projektgebiet sind geschaffen worden.“

Nyangezi: In der Baumschule wurden 25.242 Bäume herangezogen: 6.500 Pinus, 2.039 Cacia, 12.423 Cedrella, 520 Podocarpus, 3.045 Mesopsus, 715 Acrocarpus , ingesamt wurden 25 ha bepflanzt. Damit sind die geplanten Ziele erreicht worden. In Nyangezi ist außerdem mindestens genauso wichtig wie Aufforstung die Hege und Pflege des an vielen Stellen sich rehabilitierenden natürlichen Waldes, der dort vor 20 Jahren abgeholzt wurde.

Auf dem Weg zur Baumschule in Nyangezi 


Burhinyi: In den Baumschulen wurden 45.210 Setzlinge herangezogen, davon 75 % (33.908) Acacia, 5 % Spathodea (Afrikanischer Tulpenbaum, eine echte Neuerung und ein sehr nützlicher Baum  ) 10 % Eukalyptus  (Burhinyi ist an manchen Stellen sehr erosionsgefährdet, die verhältnismäßig große Zahl ist aber wohl auch ein Zugeständnis an den Holzbedarf der Bevölkerung, da Soldaten die älteren Bestände ziemlich gerodet hatten.) Der Rest 15 % eine Mischung mit Grevilia, Markhamia luthea  (gelber Trompetenbaum, einheimisch), Grandis (eine australische Eukalyptus-Art, die an Flüssen und Gewässern gepflanzt wird, außerdem in Plantagen und 50-80 Meter hoch wächst. Da in Burhinyi kein Wassermangel ist, sondern an manchen Stellen Erosionsschäden der kanadischen Goldfirma Banro entgegengetreten werden muss, scheint diese Entscheidung akzeptierbar zu sein), P , Ficus und einigen anderen. Zum Erosionsschutz wurden in Burhinyi erhebliche Mengen an Saatgut von Tripsacum  verteilt, ein tiefwurzelndes fast ein Meter hohes Gras, das gleichzeitig als Viehfutter beliebt ist.

Baumschule in Burhinyi

Luhwinja: Für die erste Pflanzkampagne wurden neun Arten von Agroforst- und Waldbäume ausgewählt und deren Setzlinge produziert. Dies sind: Acacia mearnsii  (inzwischen einheimisch), Acrocarpus fraxinifolius , Albizzia sinensis , Cassia spectabilis (siehe auch hier), Eucalyptus grandis  , Jacaranda  spp Maesopsis eminii  , Spathodea campalunata  (Afrikanischer Tulpenbaum, einheimisch), Pinus patula  . Die Arten Pinus und Eukalyptus wurden auf ausdrücklichen Wunsch der Bevölkerung produziert.


Baumschule in Luhwinja mit Regenschutz, erstellt in lokaler Eigenbeteiligung von der Bevölkerung

Insgesamt wurden in Luhwinja - mit schon über zehnjähriger Erfahrung - 123.778 Setzlinge in Baumschulen produziert. Davon wurden 36.586 Setzlinge in Foilcontainer zum besseren Transport umgepflanzt und 87.192 Setzlinge "wurzelnackt" weitergegeben. Die Zahlen können deshalb verhältnismäßig korrekt identifiziert werden, weil die Setzlinge vor dem Austrag in zu jeweils 100 sortiert werden. Luhwinja hat somit sehr viel mehr Setzlinge herstellen können als geplant war. Genauso wie Burhinyi hat Luhwinja zwei Arten von Bepflanzung praktiziert: Erstens auf öffentlichem Gelände in der Verwaltung der ADMR, deren Flächen mit den lokalen Chefs ausgewählt wurden. Dies waren 24 ha, die bepflanzt wurden. Zweitens Verteilung an die Bevölkerung zur Pflanzung auf privaten Flächen.


Kaziba: Die beiden in Kaziba tätigen Organisationen haben einen völlig anderen Weg beschritten. Die eigentlichen Aufforstungen waren verhältnismäßig klein. Man hat 5.315 Setzlinge ausgepflanzt, Pinus, Jacaranda, Spadhodea campanulata, Podocarpus , Measopsis, Acrocarpus und Cedrela. Daneben hat man allerdings Untersuchungen mit einheimischen und seltenen Pflanzen durchgeführt und diese an die aktive Bevölkerung verteilt. Dies sind 12 verschiedene Arten, von denen 1.891 Setzlinge an die aktive Bevölkerung verteilt wurden. (Diospyros , Syzigium guinensis , Senna Dydymobotrya , Hagenia , Cedrela odorata , Myrianthus  , Erytrhina abysinica , Carapa , Acassia mearcini , Kabasa, Mbidu (muttersprachliche Namen). Dies ist ausdrücklich als Versuch beschrieben, sodass je nach Erfahrungen später in umfangreicherem Ausmaß diese Arten angepflanzt werden sollen.

Baumschule in Kaziba mit Setzlingen in "Foilcontainern", fertig zum Abtransport in die Flächen

Mushenyi: Ebenso wie im benachbarten Kaziba waren die Aufforstungen noch verhältnismäßig gering: 16.112 Setzlinge wurden in der Baumschule herangezogen und auf eigenen Flächen ausgepflanzt. Dazu wurden allerdings 1.620 Setzlinge von Obstbäumen herangezogen, vor allem Maracuja  und an die aktive Bevölkerung verteilt. Und man hat 1.105 Setzlinge von vier einheimischen Baumarten gezüchtet, mit denen Experimente gemacht und Erfahrungen gesammelt werden sollen (Syzigium guinensis , Carapa, Prunus africana  [ein sehr nützlicher Baum, der auch zur Ernährungssicherung wichtig ist], Erythrina aysinica  und Ficus Exasperate )

Baumschule in Mushenyi und Verteilung der Setzlingen zum Auspflanzen



Das zweite Unterziel nennt sich: „Das Wissen um die nachhaltige Nutzung von Sekundärwäldern ist eingeführt“

Im Oktober und November war unsere Tropenforst-Fachkraft für vier Wochen im Projektgebiet und hat sowohl mit den Projektleitern, den Baumschulgärtnern und einigen aktiven Bauern eine ganze Reihe von Seminaren zu diesem Thema durchgeführt.

Die Projektleiter und Agronomen erhielten z.B. Kenntnisse für die Tropenforstverwaltung vermittelt.

Dazu gehört etwa die Messung des Baumbestandes, die Beurteilung, wie "Holzernte" zu geschehen hat und generell, wie ein Sekundärwald zu bewirtschaften ist. Mit den Baumschulgärtnern wurden insbesondere Feldübungen durchgeführt. Der Tropenförster hat eine Woche lang alle Projektleiter und ihre Agronomen fortgebildet und war dann jeweils für einige Tage in jedem der Projektgebiete, um dort mit den Baumschulgärtnern, dem zuständigen Projektleiter und Agronomen die praktischen Übungen in Feld und Wald durchzuführen.

Außerdem fand gleichzeitig die erste Projektreise statt, die H. Rothenpieler absolvierte. Er hat in allen Projektstandorten verschiedene Versammlungen mit der örtlichen Bevölkerung durchgeführt und dort den Projektzweck und die Ziele ausführlich erläutert.

Foto: Volksversammlung in Nyangezi (links).... und an einem Sonntagnachmittag in Mushenyi

Besonders bemerkenswert war, dass die Viehzüchter auf die Möglichkeit des "Sylvopastoral" (Baumbestand auf Viehweiden) außerordentlich positiv reagierten. In Kaziba hatten wir Gelegenheit, auf Einladung der "Landräting" (Mme. Chef de Chefferie) auf einer zufällig dort stattfindenden größeren Konferenz der UNDP (UNO-Entwicklungsorganisation) zum Thema Umweltschutz unser Programm vor regionalen Honoratioren vorzustellen, die uns die Empfehlung mitgaben, das Wissen um die Sekundärwaldbewirtschaftung möglichst breit angelegt in die Volksbildung zu bringen.

Vorstellung des Projektes auf der UNDP-Konferenz in Kaziba. Mitte (sitzend) Mme. Chef de Chefferie, die uns eingeladen hatte

Die Wirkung und Akzeptanz des Tropenförsters war durchaus überwältigend. In vier Wochen lassen sich allerdings nur erste Rahmenbedingungen der Forstverwaltung im Sekundärwald und der Holzbewirtschaftung vermitteln. Bei späteren Reisen müssten Kenntnisse der Administration der Bestände, der Holzernte, des richtigen Holzfällens und vor allem der Durchmischung der Bestände mit neuen Setzlingen vertieft werden.

Generell lässt sich sagen, dass der Bedarf des in unserem Projekt vermittelten Wissens von der Bevölkerung und den Honoratoren voll akzeptiert wird. In Kaziba sollen künftig weitere solche forstfachlichen Fortbildungen auf Wunsch der Kommunalbehörden organisiert werden.

Ein Bericht über diese tropenforstliche Fortbildung findet sich unter dem Titel "Wie wird Forstverwaltung "entwickelt" auf der Internet-Kongoseite von LHL: .


Was sonst noch auf den Weg gebracht wurde mit und für die Bevölkerung findet sich hier